Im Tierkreiszeichen, das die Sonne zum Paten hat, ist der Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen, nicht ungewöhnlich. Der Löwe, dem ein Gefühl der Besonderheit im Blut liegt, bringt an guten Tagen auch tatsächlich seine Umwelt zum Strahlen.
Seine feurige Anlage macht ihn zum kosmischen Spieler und ewigen Kind, das sein Leben als großen Spaß begreift und jede Form von Individualität zutiefst genießt.
An schlechten Tagen gibt es kaum einen unausstehlicheren Menschen als einen misslaunigen Löwen. Dabei hat er das Vergnügen, weltlich zu sein, in den Genen und liebt es, den Applaus der Menschheit entgegenzunehmen, auch wenn er selbst nicht immer weiß, wofür. Umso härter trifft es den Löwen, wenn die Dinge sich gegen ihn zu verschwören scheinen und er sich das hart erarbeiten muss, was ihm als König eigentlich zusteht: gerade genug Licht, um seine Vorzüge zu beleuchten nämlich. Und Bewunderung, weil seine Talente den anderen nicht verborgen bleiben. Manchmal muss sein Umfeld ihn deshalb erst einmal vom Thron stoßen, damit der Löwe den Kontakt zum wirklichen Leben nicht verliert.
Insofern kennt jeder Löwe die Enttäuschung, die unweigerlich auftritt, wenn sein Traum der Auserwähltheit (und davon hat er viele) sich als Seifenblase herausstellt. Für die Löwen mit ihrem kindlichen Gemüt und den wirklich großen, wunscherfüllten Herzen ist das Leben manchmal viel schwerer zu nehmen als für realistischere Zeitgenossen.
Oft gelangt der Löwe irgendwann in seinem Leben tatsächlich zu einer relativen oder tatsächlichen Bekanntheit innerhalb kleinerer oder größerer Kreise. Immer ist der Grund dafür ein unbedingtes Beharren auf sehr eigenen, speziellen Ansichten, Projekten oder Verfahrensweisen.
Als kreativstes Zeichen ist der Löwe der eigentlich Erschaffende im Tierkreis, ein Individualist, der aus reinem Reflex zuerst an sich selbst denkt und an die anderen dann, wenn es darum geht, was er für die anderen bedeutet.
Aber diese Gewohnheit hat wenig mit Egoismus oder bewusster Selbstbezogenheit zu tun. Tief in seinem Inneren spüren die Löwen, dass sie wie die Sonne in der Lage sind, Leben zu spenden und viel für andere zu erreichen, wenn sie einfach nur sie selbst sind. Denn das ist ihre vordringliche Aufgabe. Löwen sind, Gaukler, Spieler, Riesenradfahrer. Sie nehmen ernst, was sich nicht ändern lässt, aber was sie ändern können, das berühren sie und überziehen es mit dem kleinen Glanz eines Selbst, das sich selten in Frage stellt.
So färbt das Selbstbewusstsein eines reifen Löwen heilsam auf seine Umgebung ab und reinigt sämtliche Negativität im Vorübergehen – manchmal durch einen einzigen Blick.
Wer einen bewussten Löwen seinen Freund nennt, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn mitten in einem Sturm die Sonne aufgeht. Löwekinder, das wissen Eltern, sind nicht selten eitel, anstrengend, aber auch von äußerst sonnigem Naturell. Manchmal unterscheiden sie sich durch bestimmte äußere Merkmale von anderen Kindern, immer aber wirken sie besonders und ziehen die Aufmerksamkeit Erwachsener leicht auf sich. Bemerkt zu werden ist der größte Gefallen, den man einem Löwen tun kann. Wenn das nicht passiert, leidet er unter – manchmal physischem – Herzschmerz. Kummer kann seinen Kreislauf ins Schwanken bringen, genauso wie chronische Übertreibung von Freude und Spaß seinen Blutdruck erhöht. Der Löwe muss sein Licht strahlen lassen, aber begreifen, dass die Nacht auch ihre Berechtigung hat.