Wenn es überhaupt ein Zeichen im Tierkreis gibt, in dem es um Leben oder Tod geht, dann ist es der Skorpion. Bei ihm gewinnt vieles, was ihm begegnet, sofort existenzielle Bedeutung. Smalltalk liegt ihm genauso wenig wie Vergnügen um des Vergnügens Willen. Der Skorpion ist – obwohl ein gefühliges Wasserzeichen – ein Grübler, Goldsucher und Warner. Denn er weiß um die Gefahren des Lebens, das immer zum Tod führt.
Skorpione, deren Tierkreiszeichen eng mit Pluto, dem Gott der Unterwelt verbunden ist, sind die Erfinder von Ethik und Verantwortung. Während die Waage begegnungsfähig ist, geht es dem Skorpion um Bindung, aus der besagte Verantwortung besteht.
Nie bindet er sich leichtfertig, einfach so, weil er zu wissen glaubt, was „wirklich und endgültig“ richtig oder falsch ist. Unabhängig von Kultur, Trends oder anderen gesellschaftlichen Gewohnheiten. Und zumeist weiß der Skorpion das tatsächlich. Denn er besitzt ein ungewöhnliches Empfinden für die Tatsachen des Lebens und des Sterbens. Allerdings hat er wegen dieses Talents auch oft die Angewohnheit, die Welt in schwarz oder weiß, angemessen oder nicht, gut und böse zu unterteilen. Weil ihm die Gabe der Trennung in Kategorien und ein Feinsinn für jedes System in die Wiege gelegt wurde, wird (oder wirkt) er schnell arrogant und allwissend. Dabei verbirgt sich hinter der kühlen Maske von Wissen oder Überheblichkeit vielfach eine ausgeprägte Unsicherheit.
Denn letztlich bleiben Skorpione Wasserzeichen und damit abhängig von ihren Gefühlen. Das zuzugeben, fällt vielen von ihnen sehr schwer, wobei sie in Gefahr geraten, aus verletztem Stolz wiederum andere zu verletzen. Dabei liegt ihnen wenig ferner, als Menschen in schwierige Situationen zu bringen, es sei denn, es bliebe keine andere Möglichkeit.
Damit die Skorpione ihr gutes Gespür für die wirklich lebensbedrohlichen Gefahren entwickeln (sie nehmen die Aufgabe der Arterhaltung danach meist sehr ernst), begegnen ihnen zuweilen in ihrem Lebensverlauf tatsächlich mehr schwierige Situationen als anderen Vertretern des Tierkreises. Und während ein unreifer Skorpion der Umwelt durch Sturheit beträchtlich auf die Nerven gehen kann, unterstützen die reifen ihre Mitmenschen oft durch großes psychologisches Einfühlungsvermögen, eine hervorragende Intuition und Einsicht in die Zusammenhänge des menschlichen Innenlebens.
Unter ihnen sind viele hervorragende Psychologen, Lehrer und sogar Weise, die durch die Wechselfälle des eigenen Lebens gelernt haben, wie man die Klippen des Schicksals sinnvoll umschifft. Eltern von Skorpionkindern sind manchmal verwundert über die natürliche Beziehung ihres Nachwuchses zu existenziellen Lebensfragen, die weit über deren Alter hinausgeht.
Da die Skorpione, wie man sagt, von rostigen Nägeln leben können, entdecken sie manchmal in ihrer Entwicklung ihren Hang zu geistigen Genüssen und wenden sich von Sinnesfreuden weitgehend ab. Selten fallen sie dabei materiell auf die Nase, da der Pluto als Herr des Skorpion, gleichzeitig das Geld der anderen beherrscht.
So fließt vielen Skorpionen unverhofft Geld aus Beziehungen oder Erbschaften zu, wenn sie sich entschieden haben, üblichem Broterwerb zu entsagen und sich ganz ihrem reichen Innenleben zu widmen. Auch im Rahmen eines „normalen“ Lebens bleiben sie Warner zwischen den Welten, die andere auf den Wandel der Existenz vorbereiten können.