Wenn es drei Stichworte gäbe, die den Zwilling am besten beschreiben, wären es die drei großen „K“: Kreativität, Kommunikation, Kontakt. Das quecksilbrige Merkurzeichen fühlt sich am wohlsten, wenn es seine Gedanken möglich schnell, möglichst ununterbrochen und möglichst vielfältig unter möglichst viele Menschen bringt. Daher ist sein Plus auch das Reden. Aber Ausdruck in jeder Form ist den Zwillingen überhaupt in die Wiege gelegt, auch wenn sie manchmal morgen nicht mehr wissen, was sie heute als wichtig und dringend empfunden haben. Alles Geistige ändert sich so schnell. Das weiß niemand besser als ein waschechter Zwilling.
Weil die gedankliche Welt des Zwillings voller aufregender Vielfalt ist, kann er sich schwer für eine ruhige innere Gangart oder eindeutige Positionen entscheiden. In seiner Brust wohnen eben die berühmten zwei Seelen, auch wenn es in Wahrheit in diesem Tierkreiszeichen eher viele verschiedene Gedanken als verschiedene Gefühle sind.
Der Zwilling lebt mehr in seinem Kopf als mit beiden Beinen auf dem Boden. Keine kurzfristige Idee ist ihm fremd oder nicht genug wert, um verfolgt zu werden. Dass einige reine Luftschlösser dabei sind, schmälert seine Attraktion für Menschen, die das Interessante lieben, keineswegs.
Schon das Zwillingskind liebt Geschichten. Und vor allem die, die es selbst erzählt. Mit seiner ureigenen Version dessen, was es erlebt, bringt es seine Eltern oft zur Weißglut. Aber es wäre ungerecht, ihm Lügen vorzuwerfen. Denn der Zwilling lügt nicht – er erlebt höchstens die Welt auf seine spezielle, subjektive Weise. Solange er sich darüber mit anderen austauschen kann, die diese manchmal ungewöhnliche Sicht auf den für andere langweiligen Alltag schätzen, fühlt er sich wertgeschätzt und zufrieden.
Zwiespältigkeit ist keine Ungewöhnlichkeit für Zwillinge. Was er in der einen Minute so sieht, präsentiert sich ihm in der nächsten ganz anders – darum ist es auch so schwer für ihn, eine eindeutige Haltung zum Leben zu entwickelt. Gefragt sind solche flexiblen gedanklichen Qualitäten besonders im Bereich der Medien, in Verlagen oder überall da, wo schnell und mobil Geschäfte gemacht werden.
Denn nicht umsonst ist Mercurius auch der Gott des Handels, wobei es nicht auf die Waren ankommt, sondern vor allem um die Funktion, den Spaß, das Vergnügen am Tausch. In derartigen Berufen sind Zwillinge deshalb auch bestens aufgehoben.
Weil man beim vielen Reden vergessen kann, Atem zu holen, erklärt sich nachvollziehbar, wieso den Zwillingen die Atemorgane zugeordnet sind. Und wegen ihrer Freude am Kontakt die Haut. Vor allem geistiges Unwohlsein oder unklare Gedanken schlagen sich oft an diesen Körperteilen nieder. Wenn das so ist, tut der Zwilling gut daran, sich Luft zu verschaffen, innerlich und äußerlich und zu versuchen, sich eine Weile auf das Eigentliche in seinem Leben zu konzentrieren. Das fällt ihm nicht leicht, da sein hyperaktiver Verstand (oft gekoppelt mit hoher Intelligenz) sich immer wieder am nächsten aufgeschnappten Stichwort verfängt und von da aus frei umherzuschweifen beginnt.
In den spannenden Welten ihres Kopfes entspannen sich die Zwillinge letztlich aber besser als im realen Urlaub. Denken ist ihre Art, Leben zu begreifen. Der beste Kontakt zum Kosmos.
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